Mittwoch, 17. Oktober 2012

Schwarwel kicked by the crowd



… oder Just Kick The Crowd #1 /Schrägstrich/ Erlangen Nachlese #2
Nach meiner Sommerpause, die sich hoffentlich so nie wiederholen wird, komme ich mit einer neuen Blogkategorie „Just Kick The Crowd“ und einer längst überfälligen Fortsetzung meiner Erlangen Nachlese zurück. Grund und Anlass ist die Crowdfunding Aktion von Schwarwel zur Finanzierung seines zweiten Sammelbandes „Schweinevogel – Total-O-Rama“.

Die Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter und wie sie noch alle heißen mögen finde ich ein geniales Konzept, mit dem ich mich bisher nur wenig beschäftigen konnte, jedoch kann ich diese Modelle nur gutheißen, da Banken vielen Projekten keine Finanzierung gewähren würden und wenn, dann meist sie als alleiniger Verdiener aus der Unternehmung hervorgehen würden, ob es nun zum Abschluss gebracht werden würde oder nicht.

Der Leipziger Comickünstler Thomas Meitsch, besser bekannt als Schwarwel möchte mit der Crowdfunding-Plattform Vision Bakery seinen Sammelband zum Schweinevogel fortsetzen. Mittlerweile ist das Projekt zu 101% !!!! finanziert und läuft noch 14 Tage. Schwarwel bietet als „Zins“ eine große Palette von Angeboten. Sei es eine Erwähnung im Band, eine individuell gestalte Zeichnung oder gar ein Porträt auf einem Sammelbild in dem zu finanzierenden Buch. Wer die Rückkehr des Schweinevogels unterstützen möchte, der kann sich über diesen Link informieren und beteiligen.
ICOM Preisträger 2012
Nun muss ich zugeben mich mit dieser Figur und den Comics noch nicht beschäftigt zu haben. Hingegen konnte ich in seinem ICOM-Preis prämierten Band Seelenfresser und der Erlangen Sneak Peek reinlesen. Hier kann ich nur ein großes Lob aussprechen. Regelmäßigen Lesern dieses Blogs wird bekannt sein, dass ich schwarz/weiße Zeichnungen präferiere und bei diesen beiden Ausgaben ist dieses Stilelement in Perfektion zu finden. Schwarwel verzichtet auf Grautöne und konzentriert sich auf die beiden (unbunten) Farben. Dadurch erschafft er extreme Kontraste, Zeichnungen wirken auf das Wesentlichste reduziert und doch sind die Panels detailverliebt, laden zum Verweilen ein. Die Geschichte bietet Grusel, Spannung und die Sprache ist nah am Leben. Der Leser ist von der ersten Seite gebannt und muss sich zwischen hetzend weiterlesen und Genuss der Bilder entscheiden. Selten war ich so hin-und hergerissen.
Auf dem diesjährigen Comic-Salon Erlangen ließ ich mir Seelenfresser mit einer Zeichnung veredeln und führte ein kurzes Interview mit dem Workaholic Schwarwel. Auf meine Frage hin, ob er sich den über den ICOM-Preis freue, antwortet er trocken und zurückhaltend, dass er grundsätzlich mit solchen Ehrungen nicht viel anfangen könnte, jedoch der Werbeeffekt sicherlich positive Auswirkungen auf die Verkaufszahlen hat. Nach einigen lapidaren Fragen, die aufgrund meiner Diplomsommerpause mittlerweile hinfällig bzw. durch meine selbstverschuldete Jugenddemenz vergessen sind, kam ein Pulk von Kindern an den Stand und schon war Schwarwel in seinem Element. Es waren Teilnehmer eines von ihm initiierten Zeichenkurses. Gerade diese Projekte liegen dem Künstler am Herzen, denn es werden (nicht nur) seiner Meinung nach viel zu wenig Möglichkeiten für die Kids von heute geboten um sie von der Straße zu holen, sie zu fördern und ihnen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Die Gesichter seiner jungen Anhänger sprachen Bände, denn dieses Lächeln ist unbezahlbar und Schwarwel schöpft eindeutig daraus viel Energie für weitere Arbeiten.

Während des Comic-Salons organisierte Schwarwel eine der schönsten Aktionen in der Erlanger Innenstadt. Es wurde ein Bus und Farbe für die Allgemeinheit zur Verfügung gestellt und jeder der Lust hatte konnte sich auf dem Brainbus mit einer Zeichnung verewigen. Ich habe hier mal ein paar Fotos auf Flickr hochgeladen und ziehe meinen Hut vor allen Beteiligten (und der Hund in der Nacht war ein wirklich dankbares Motiv).


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen